6. Tag: Freitag, 1. Juni 2001

Die Georgische Heerstraße – Auf der Fahrt zum Kasbek

Teil 1: Georgische Heerstraße

> Teil 1: Georgische Heerstraße
> Teil 2: Festung Ananuri
> Teil 3: Von Ananuri zum Kasbek
> Teil 4: Das Dorf Kasbegi

> Der Kaukasus

Die ersten schriftlichen Überlieferungen von der Existenz eines Karawanenweges über den Kaukasus nach Norden stammen vom griechischen Geographen Strabon (1. Jh. v. d. Z.). Dieser Handelsweg war immer umkämpft. Die römischen Legionäre schützten den Weg und bereits König Mirian ließ die Darjal-Schlucht befestigen. Unter König Wachtang Gorgasal entstanden mächtige Befestigungsanlagen und ein königlich beurkundeter Auftrag an die georgischen Bergvölker der Region, den Schutz des Weges zu übernehmen. Unter König Dawit Aghmashenebeli und Kö?nigin Tamara im 11. und 12. Jh. war es ein ruhiger und gesicherter Handelsweg. Heute noch erinnern einzelne Festungstürme an die Überwachung und Nachrichtenübermittlung entlang der Straße.

In der Folgezeit der mongolischen, persischen und türkischen Eroberungen wagte sich jedoch kaum einer über die Gebirgspässe. Dies änderte sich mit der russischen Annektion von Georgien und bereits 1799 wurde der rd. 200 km lange Weg aufgrund seiner strategischen Bedeutung zur ausgebauten "Heerstraße", russische Kosaken übernahmen ihren Schutz und russische Ingenieure bauten bis 1863 eine Trasse in den Stein.

"Ich habe die Georgische Heerstraße erlebt.
Das ist keine Straße, sondern Poesie,
eine wunderbare, phantastische Erzählung,
geschrieben von einem Dämon und gewidmet Thamar ...
Irgendwo am Gudaur oder am Darjal zu leben
und keine Märchen zu schreiben
ist eine Schweinerei!"

Anton Tschechow (1860-1904)

Mit dem Bau der Eisenbahnlinien von Russland über Baku nach Tbilissi und über Suchumi und Kutaissi nach Tbilissi verlor die "Georgische Heerstraße" ihre zentrale militärische Bedeutung. Ihr Ruhm gründet sich auf die vielen Reisebeschreibungen, die die Schönheit und Wildheit des Kaukasus fasziniert weitergaben, allen voran die russischen Dichter Puschkin und Lermontow. Auf ihr reisten auch Gribojedow, Tolstoi, Ostrowski, Tschechow, Tschaikowski, Repin und Gorki. Von den Westeuropäern, die die georgische Heerstraße "erlebten" und beschrieben, hat vor allem Alexandre Dumas mit seiner "Gefährlichen Reise durch den Wilden Kaukasus" die Georgische Heerstraße im 19. Jh. weltweit bekannt gemacht und mythifiziert.