7. Tag: Samstag, 2. Juni 2001

Am Kasbek

Teil 1: Der Kasbek (5033 m)

> Teil 1: Der Kasbek
> Teil 2: Zminda Sameba
> Teil 3: Darjal-Schlucht

> Die georgische Tafel

Im Nordwesten von Kasbegi überragt der Kasbek, im ewigen Eis, die grandiose Hochgebirgslandschaft. Der mächtige Solitär, einer der schönsten Berge des Kaukasus, an einer alten Route über das Gebirge gelegen, war von alters her Ort von Mythen und Legenden. Nach griechischer Überlieferung wurde hier Prometheus an den Felsen gekettet zur Strafe dafür, dass er den Menschen das Feuer brachte, das er den Göttern gestohlen hatte. In einem alten georgischen Mythos wird die gleiche Geschichte erzählt:

"Hoch am Kaukasus in Eisen
Amirani schmachten mußt,
schwarze Raben um ihn kreisen,
reißen auf des Tapferen Brust.

Um das Feuer uns zu geben,
kühn er es den Göttern stahl.
Ewig flammend wird sein Leben
Leuchten allen als Fanal.
"

Akaki Zereteli (1840-1915)

Der Blick von Zminda Sameba auf den Kasbek

"... Da erschien den Seefahrern der äußerste Winkel des Pontos, und schon erhoben sich die schroffen Abhänge des Kaukasusgebirges, wo Prometheus, die Glieder mit ehernen, unzerreißbaren Fesseln an einen rauhen Felsen gekettet, einen Adler, der immer wieder heranflog, mit seiner Leber ernährte: Den sahen sie gegen Abend weit oben, wie er mit durchdringendem Zischen nahe den Wolken über das Schiff hinwegflog: dennoch aber versetzte er im Vorbeifliegen mit seinen Flügeln das ganze Segel in Bewegung.

Denn er hatte nicht die Gestalt eines gewöhnlichen Vogels der Lüfte, sondern schwang seine Flügel wie wohl geglättete Ruder. Nicht lange danach hörten sie die klagende Stimme des Prometheus, dessen Leber herausgerissen wurde; der Äther hallte wider von seinem Geschrei, bis sie den fleischfressenden Adler vom Gebirge auf demselben Weg zurückfliegen sahen."

(Apollonius von Rhodos: Das Argonautenepos. Hrsg., übersetzt und erläutert von Reinhard Glei und Stephanie Natzel-Glei, WBG Darmstadt 1996, Bd. 1 S. 143-144.)

Der Mythos von Prometheus, der den Menschen das Feuer gab, war sowohl bei den Hellenen als auch bei den "Barbaren" weit verbreitet und wurde mit dem Kasbek in Verbindung gebracht. Mehrere antike griechische Schriftsteller bezeugen dies. Am großartigsten hat Äschylos in seiner Tragödie "Der gefesselte Prometheus" das Thema gestaltet. Die Tragödie beginnt damit, dass Hephaistos und seine Gehilfen Prometheus an den Kaukasusfelsen schmieden:

Fest nagel ich dich an diesen menschenfernen Fels
Wo keines Sterblichen Stimme noch Gestalt du wirst gewahren ... Das sind die Früchte deiner Menschenfreundlichkeit!
"

Der Kasbek um 5 Uhr morgens